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Fragwürdige Diskussion – wenn Laufräder zur Religion werden

29ers are gay! Foto: Constantin Fiene – www.mtb-news.de

Am Wochenende geht in Lourdes der Mountainbike-Weltcup los – und erstmals werden dabei 29er-Bikes im Downhillsport massgeblich Einzug halten. Und schon flammen die hitzigen Diskussionen über die Laufradgrössen wieder auf. Als gehe es um den Weltfrieden polarisieren die Meinungen, und ein gehässigter Kommentar folgt dem anderen. Ein paar Gedanken über die verirrte Welt der Mountainbiker.

Es gibt hierzulande kaum noch ein Mountainbiker, der die Frage nach «seiner» Radgrösse nicht schon beantworten musste. 29 Zoll, 27,5 Zoll oder noch 26 Zoll? Der doch so rationale Raddurchmesser wurde zu einem emotional aufgeladenen Thema. Fachmagazine sind proppenvoll mir Radgrössentests, auf Online-Plattformen reihen sich die Kommentare zu diesem Thema ins Unermessliche, und bei öffentlichen Diskussions­foren dazu sind die Säle meist bis auf den letzten Stuhl voll. Selbst Frauen, die sich sonst keinen Deut um die Technik scheren, interessieren sich für die Unterschiede der verschiedenen Durchmesser. Wie schafft es bloss eine simple Rad­grösse, derart grosses Interesse zu wecken?

Die Frage nach der Radgrösse nimmt bisweilen fast schon sektiererische Züge an. Vor allem Traditionalisten ziehen über die neuen Räder her, als seien sie das Werk des Teufels. Sie lassen an den 29-Zoll-Mountainbikes kein gutes Haar, von der Agilität bis zur Optik ist an der neuen Technik alles ganz schrecklich. Es gibt Facebook-Gruppen für Gegner von 29-Zoll-Mountainbikes, und beim Weltcup-Finale 2013 in Hafjell haben Zuschauer gar eine selbst gemalte Tafel mit der Aufschrift «29ers are gay» in die Kameras gehalten – was von den «Demonstranten» bestimmt nicht positiv gemeint war. Wie schafft es bloss eine simple Radgrösse, jemanden zur Denunziation anderer zu motivieren?

Einige Hitzköpfe scheinen ob der heftigen Diskussion zu vergessen, um was es im Mountainbikesport wirklich geht: um das Erlebnis auf dem Single­trail, der Downhill-Strecke oder dem Pumptrack. Wieso lässt sich jemand die Freude am Mountainbiken trüben wegen einer «falschen» Radgrösse? Unterschiede zwischen 26, 27,5 und 29 Zoll sind am Fahrwerk zwar spürbar, bewegen sich aber meist im marginalen Bereich. Thomas Frischknecht brachte die Diskussion um die Radgrössen einst auf den Punkt. Es sei wie bei einer Ehefrau, meint dieser anlässlich einer Podiumsveranstaltung. Man müsse nicht ständig denken, eine andere sei möglicherweise besser, sondern sich ob dem freuen, was man habe. Das gelte auch für die Radgrössen bei den Mountainbikes. Auf Neudeutsch heisst das kurz und bündig: Shut up and ride – egal mit welcher Radgrösse.

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